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Alt 12.12.18, 16:58   #76
tunnelklick
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^^ Im Grundsatz liegt die Planungshoheit bei den Gemeinden und zu jedem Bauvorhaben hat die Gemeinde das Einvernehmen herzustellen (§ 36 BauGB). Die Bauaufsicht legt also alle Bauanträge der Gemeinde vor zur Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens.

In Berlin ist es komplizierter. Angelegenheiten, für die nach dem Baugesetzbuch die Gemeinde zuständig ist, werden von den Bezirken wahrgenommen, soweit nichts anderes bestimmt ist (§ 1 AGBauGB Berlin). Im Übrigen regelt dieses Gesetz die Kompetenzen der Bezirke und der Senatsverwaltung, und zwar nach überschlägiger Lektüre der Norm in der Form, dass viele gemeindliche Komptenzen auf die für Planung und Bau ständige Senatsverwaltung verlagert werden.

Welche Kompetenzen der Senat gegenüber dem Bezirk hat, hängt sehr vom Einzelfall und der planungsrechtlichen Ausgangslage ab.
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Alt 12.12.18, 20:03   #77
Batō
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Bei Projekten oder Gebieten von gesamtstädtischer Bedeutung kann auch das Land die Planung an sich ziehen und in entsprechenden B-Plänen Vorgaben zur Gestaltung machen.
__________________
Alle Bilder, soweit nichts anders angegeben, stammen von mir.

Berlin à la carte - die Projektkarte
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Alt 13.12.18, 18:33   #78
Charles
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Charles hat die ersten Äste schon erklommen...
Der Sinn jeglicher Stadtplanung besteht in der Erarbeitung eines städtebaulichen Gestaltungskonzeptes, das über die theoretische maximale Nutzungsmöglichkeit eines einzelnen Grundstückseigentümers und seines Verwertungsinteresses hinausgeht.

Zur den vornehmsten Aufgaben der Stadtplanung gehört daher ein harmonisches Stadtbild zu erhalten und zu entwickeln, Baugrenzen und Bauhöhen sowie unter Umständen sogar im geschützten Baubereich am Ku´damm ähnlich wie am Brandenburger Tor Fassadengestaltungen oder Nutzungsbeschränkungen festzulegen. Hierzu dienen Baubauungspläne und eben auch ein Instrument wie das Baukollegium.

Wie eine Stadt aussieht, wo man die Verwertungsinteressen einzelner Eigentümer sich frei entwickeln läßt, kann man in Los Angeles „bewundern“, eine Stadt ohne Mittelpunkt und jegliches Stadtbild, eine wahllose Aneinanderreihung irgendwelcher Bauten.

Soweit zum Grundsatz und dem Argument, daß man den Eigentümer doch machen lassen sollte, was er will, weil er doch schließlich viel Geld investieren will.

Die vorgeschlagenen Dimensionen erschlagen völlig das Stadtbild um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die schon jetzt verzwergt durch die bereits vorhandenen Hochhäuser, obwohl sowohl das Waldorf als auch das „Upper West" für sich genommen recht schön sind.

Wenn man so viele Hochhäuser in der City-West rund um das Mahnmal Gedächtniskirche bauen will (Hochhaus am Hardenbergplatz, Parkhaus am EUROPA-Center, Hochhaus am Zoo und jetzt 3 Hochhäuser bei KARSTADT) sollte man konsequenter Weise die Kirche gleich mit abreißen und anstelle dessen das höchste Gebäude im Zentrum aufstellen. Passender Gebäudetitel wäre dann DAS MAMMON.

Ich finde es gut, das im Baukollegium Berlin noch ein Rest von Respekt vor dem genius loci besteht.
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Alt 14.12.18, 18:00   #79
Der Schüler
Mitglied

 
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Zitat:
Zitat von Charles Beitrag anzeigen
Die vorgeschlagenen Dimensionen erschlagen völlig das Stadtbild um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die schon jetzt verzwergt durch die bereits vorhandenen Hochhäuser, obwohl sowohl das Waldorf als auch das „Upper West" für sich genommen recht schön sind.

Wenn man so viele Hochhäuser in der City-West rund um das Mahnmal Gedächtniskirche bauen will (Hochhaus am Hardenbergplatz, Parkhaus am EUROPA-Center, Hochhaus am Zoo und jetzt 3 Hochhäuser bei KARSTADT) sollte man konsequenter Weise die Kirche gleich mit abreißen und anstelle dessen das höchste Gebäude im Zentrum aufstellen. Passender Gebäudetitel wäre dann DAS MAMMON.
Was heißt denn hier bitte erschlagen? Zoofenster und Upper West haben beide einen großzügigen Abstand zur Gedächtniskirche und sind mit knapp über 100 Metern nicht besonders hoch. Die geplanten Hochhäuser hätten einen ähnlich großen Abstand. Von Erschlagen kann also gar nicht die Rede sein. Die Gedächtniskirche würde in ihrer Nähe locker mehr und auch höhere Hochhäuser verkraften. Die St. Patricks Cathedral in New York ist z.B. von Gebäuden umstellt, die diese deutlich überragen und auch viel näher zu Leibe rücken, trotzdem finde ich nicht, dass die markante Wirkung der Kirche im Stadtbild dadurch zerstört wird.

Die Gedächtniskirche hat es nicht nötig, sämtliche Gebäude in der Nähe zu überragen, sie ist zentral auf dem Breitscheidplatz positioniert und hebt sich stilistisch von allen umgebenden Gebäuden ab. Indem man die Gedächtniskirche unbedingt auch als Höhendominante im Stadtbild beibehalten möchte, erhebt man diese mMn in unangebrachter Weise vom Denkmal zur Götze.

Geändert von Der Schüler (14.12.18 um 19:33 Uhr)
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Alt 14.12.18, 19:12   #80
Llewelyn
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Zitat:
Zitat von Charles Beitrag anzeigen
Die vorgeschlagenen Dimensionen erschlagen völlig das Stadtbild um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die schon jetzt verzwergt durch die bereits vorhandenen Hochhäuser ...
Das sehen andere eben anders. Für mich wird die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche durch die neuen Hochhäuser als Mittelpunkt eines aufgewerteten Stadtplatzes betont. Neben der bereits von "Der Schüler" erwähnten St. Patricks Cathedral in New York kam mir auch die Trinity Church im Süden Manhattans in den Sinn, die durch die sie gleichsam beschützend umstellenden Hochhäuser eine besondere Würde erhält. Und hier handelt es sich wirklich um Hochhäuser und nicht um etwas über die Traufhöhe hinauslugende Hochhausansätze, wie sie in Berlin für Aufregung sorgen.
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Alt 28.12.18, 14:33   #81
Charles
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Charles hat die ersten Äste schon erklommen...
Ein Frage des Zeitgeistes

Der Blick auf die Gedächtniskirche vom Tauentzien mit dem Hintergrund der sie völlig überragenden Hochhäuser wirkt schon jetzt wie ein Menetekel vom Sieg des Kommerzes über den Glauben. Das fällt nur offenbar niemand mehr auf.

Als die Kirche gebaut wurde, war es genau umgekehrt. Die Kirche war das alles überragende Bauwerk im Zentrum. Ein höheres Bauwerk daneben hätte man wahrscheinlich vor 100 Jahren als Frevel oder gar Gotteslästerung empfunden. Ich wollte nur auf den enormen Wechsel des Zeitgeistes hinweisen und fände etwas mehr Demut angemessener, zumal gerade diese Kirche auch noch ein Mahnmal ist.

Das es ausgerechnet in New York noch viel extremer ist, wundert natürlich nicht. Schließlich ist die Stadt seit Jahrzehnten die Hauptstadt des Geldes.
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Alt 28.12.18, 15:34   #82
tomcat
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tomcat ist im DAF berühmttomcat ist im DAF berühmt
Vor etwas über 100 Jahren war auch noch keiner imstande Hochhäuser des heutigen Formats zu bauen und vor 2000 Jahren im Römischen Imperium hätten Sie die Kirche als Frevel gegen ihre Götter direkt angezündet. Von Glauben kann man übrigens auch nicht den Bauch voll bekommen, von Wissen schon eher und Konsum ist ein Ausdruck des Wissens den ohne Wissen keine vernünftige Arbeit ano 2018! Und mit Demut hat das ganze schon gar nichts zu tun, Kirchen wurden so hoch gebaut in der Vergangenheit um Macht zu demonstrieren, das Volk zu unterjochen und ihm dem Wille der jeweiligen Konfession aufzudrücken. Das haben wir aber Natur und Wissen sei Dank größtenteils hinter uns gelassen. Die Kirche als Mahnmal gegen Krieg zu erhalten ist zweifelsohne wichtig, ihre Bedeutung im Multikulturellen Berlin als Glaubensstätte eher vernachlässigbar! Die Mehrzahl der Bewohner dieser Stadt hat entweder einen anderen fiktiven Gott oder hält gar nichts von Aberglaube! Die Kirche als Grund aufzuführen keine höheren Gebäude in der Umgebung zu dulden zeigt wiederum die unbelehrbarkeit der Fortschrittsverweigerer. Des weiteren bezweifle ich das "Gott" eine freie Sichtachse braucht um seine Schäfchen zu zählen!

Davon abgesehen sind mir die 3 geplanten Hochhäuser auch 2 zu viel. Eines direkt am Kuhdamm würde sicher ins Stadtbild passen und mit den beiden schon vorhandenen ein schönes kleines Cluster bilden. Die beiden anderen an den Seitenstraßen muss ich nicht haben.
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Alt 28.12.18, 16:21   #83
Architektenkind
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Zitat:
Zitat von Charles Beitrag anzeigen
Als die Kirche gebaut wurde, war es genau umgekehrt. Die Kirche war das alles überragende Bauwerk im Zentrum. Ein höheres Bauwerk daneben hätte man wahrscheinlich vor 100 Jahren als Frevel oder gar Gotteslästerung empfunden.
Na, das ist aber ein romantisierendes Bild des Kaiserreiches. Wir reden hier nicht vom Mittelalter, sondern von einer kapitalistischen Industriegesellschaft, die in erster Linie an Wissenschaft, technischen Fortschritt und die Größe der deutschen Nation glaubte. Klar gehörte zur Schau getragene Frömmigkeit zum Habitus des Bürgertums – das hinderte Bismarck aber nicht daran, die Katholiken zu "Reichsfeinden" zu erklären, und die Bürger fingen gerade an, Friedrich "Gott-ist-tot" Nietzsche zu ihrem Hausphilosophen zu machen.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche steht weniger für Demut im Glauben als für eine religiös verbrämte Verherrlichung des Reiches und seines Herrscherhauses. In ihrer Symbolik war sie vergleichbar mit dem Hermannsdenkmal oder den Bismarck-Türmen: Die Eröffnung fand nicht zufällig am Vorabend des Sedantages statt und die Glocken trugen keine christlichen Namen sondern hießen "Kaiser Friedrich" oder "Deutschland".

Nee, die Bedeutung dieser Kirche liegt nicht im Glauben, sondern in ihrer städtebaulichen Funktion als Dreh- und Angelpunkt der City West. Solange die Hochhäuser um sie herum als Zentrum gruppiert sind, bleibt diese Funktion intakt. Verschiebt sich der Schwerpunkt, geht sie verloren. Man kann sich durchaus überlegen, ob es das wert wäre. Darüber hinweggehen sollte man nicht.
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