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Alt 17.07.05, 19:43   #106
Manuel
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Meines Erachtens müssen in der Architektur einer Stadt alle Epochen ablesbar sein, auch die zukünftigen müssen ihren Platz bekommen. Die historische Architektur erhält ihren Glanz ja häufig gerade im Wechselspiel mit der Gegenwart. Gleichzeitig muss eine Stadt aber nach vorne schauen. Ergo nicht immer historisches nachbauen oder immer den gleichen Stil kopieren. Also was neues machen. Und drittens ist Berlin nicht Kuhkackerode, sondern will ja sowas wie eine Metropole sein. Und zum urbanen Stadtbild gehören Hochhäuser eben dazu. Meines Erachtens sind es im Berliner Stadtbild viel zu wenige (und ich rede hier nicht von Wohnhochhäusern wie im Märkischen Viertel oder Marzahn). Und ebenso viel zu wenig unkonventionelle Architektur und wenn, dann meistens immer in dieser furchtbaren Traufhöhe, so dass da ja nichts aus der Reihe tanzt.

Der Breitscheidplatz verströmt m.E. den Mief eines 500.000 Einwohner Stadt-Marktplatzes und nicht den Glanz einer Metropole, die keine Grenzen kennt.
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Alt 17.07.05, 20:49   #107
Booni
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Zitat:
Zitat von Manuel
Und zum urbanen Stadtbild gehören Hochhäuser eben dazu. Meines Erachtens sind es im Berliner Stadtbild viel zu wenige (und ich rede hier nicht von Wohnhochhäusern wie im Märkischen Viertel oder Marzahn
Das sehe ich anders. Rom hat m.E. ein deutlich urbaneres Stadtbild als Berlin. Und auch Paris, das ja im eigentlichen Kernbereich auch keine Hochhäuser hat, wirkt urbaner. Vielleicht könnte man New York oder Chicago als Gegenbeispiel heranziehen, aber ich sehe diese Städte nicht als urbaner sondern lediglich als höher an. Nur weil es in den Straßen ein wenig schattiger ist, heißt es nicht, dass diese Stadt auch "städtischer" ist.
Urban wirkt eine Stadt m.E. erst, wenn sie lebt, quasi 24h am Tag 365 Tage im Jahr auf den Straßen was los ist. Und dazu braucht man keine Hochhäuser.

Und gegen moderne Architektur habe ich auch nichts gesagt, bin allerdings der Ansicht, dass in unzerstörten Städten nicht unbedingt modern neugebaut werden muss wenn die historische Architektur noch alle wichtigsten Anforderungen erfüllt. Wenn irgendwo wenig bedeutsame und unansehnliche Altbauten etwas modernem Platz machen, ohne das ein historisches Ensemble darunter leidet, ist das völlig okay.
Wenn man jedoch eine Stadt hat, dessen Präsentanz der Kulturepochen bis 1945 vielleicht noch 10-30% beträgt, so ist es durchaus wünschenswert, wenn man Ensembles durch Rekonstruktionen ergänzt oder bedeutende Bauten rekonstruiert so wie es beim Hildesheimer Marktplatz oder in Frankfurt mit der Römerberg Ostzeile passiert ist.
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Alt 17.07.05, 20:56   #108
Adama
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Bitte nicht wieder eine Für oder Gegen Hochhaus Diskussion, wenn weiterhin darüber geredet wird machen wir ein neues Thema daraus...
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Alt 17.07.05, 21:12   #109
cinerama
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Auf den Glanz einer Metropole durch gepushte Hochhäuser (mit Büroräume in Überkapazitäten) können wir verzichten, da sie ein stimmiges Gesamtbild einer bestimmten Epoche auseinanderreissen.
Der Schritt zurück wäre da durchaus sinnvoller, und es gibt im Ausland wohl Stadtverwaltungen, die ihre Stadträume "zurückbauen".
Eine Manhattan-Skyline am Breitscheidplatz kreiert überhaupt keine Urbanität, wenn dafür
Theater, Restaurants, Kinos (Zoo-, Gloria- und Royal-Palast) abgerissen werden und selbst die "High Society", für die solche profanen Geschäftshäuser erbaut wurden, nach 18.00 Uhr nicht weiß, wohin sie gehen soll.
Die Imitiation eines Gewerberaumes á la Potsdamer Platz ist kreuzgefährlich. Auch wenn der Potsdamer Platz noch bommt, so werden seine "Halbwertzeiten" immer offensichtlicher. Kürzlich war Albert Speer jr. ebendort und lamentierte: "Ist doch trostlos hier! Aus Stein kann man doch Besseres bauen!"

Urbanität heißt m.E. auch Einschluss aller Klassen, auch der Unterpriviligierten (zum Beispiel durch Integration in Kneipen, Kinos, Kirchen, Zoologischen Gärten, bei Strassenhändlern usw.). Indem man gläserne Hochhäuser für die "High Society" baut (Fritz Langs "Metropolis" und billigere Science-Fiction-Filme läßt grüssen), aber das Proletariat außen vor oder in verslumten (und dennoch romantischen) Altbaugebieten in Neukölln und Kreuzberg beläßt, macht man sich zum Totengräber einer City.

Noch ein Nachtrag zur Hochhaus-/Geschäftsarchitektur, die angeblich so viel Fortschritt und Zukunft aufzeige: sie hat allgemein so wenig Charakter und Substanz, daß sie bereits nach wenigen Jahren "out" ist. Man vergleiche etwa Frankfurt/Main mit London: Gottseidank sind in London die historischen Stadtzentren weitgehend erhalten geblieben. Es war neulich dort einfach traumhaft zu flanieren im Gegensatz zu Berlin, Stadt der Abwickler, in der man leider geboren ist und sich zunehmend schämt für die Verantwortlichen, die hier alles platt machen mit Verweis auch angeblich zukunftsträchtige Investitionen. Bürger, Touristen, Proletarierer, Rennter, Jugendliche, Kinder, Kulturfreunde und das Kleingewerbe haben aber davon überhaupt nichts.

Die Bautendenzen in Berlin sind nach meinem dunklen Verdacht der Anfang eine irreparablen sozialen und wirtschaftlichen Verslumung, Vorboten einer sterbenden Stadt.
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Alt 17.07.05, 21:18   #110
cinerama
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@3rdwave: bitte nicht schon wieder einen neuen Thread aufmachen, der den Diskussionsfaden zerreisst! Dies geschah erst neulich (in der Filmtheaterdebatte) und hat zur Ausdünnung des Themas beigetragen.
Die Diskussion geht hier sehr konkret um Kurfürstendamm und Breitscheidplatz/Tauentzien.
In einer "separaten " Hchhausdiskussion verliert sich die Konkretion und gerät zum reinen Theoretisieren.

Es wundert mich schon, daß, sobald hier längere Beiträge und nicht nur private Nachrichten auf dem Einsatz-Modus ausgetasucht werden, plötzlich "Neben-Rubriken" eröffnet werden.

Bitte bleiben wir in der City-West, das möchte ich beantragen, denn ich bin hier vor 40 Jahren aufgewachsen!
Vielen Dank!
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Alt 17.07.05, 21:24   #111
Adama
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Ach ja ich vergaß wo Du mir Zensur vorgeworfen hast
Die "Neben-Rubriken" werden eröffnet um das Forum bzw. ein spezifisches Thema übersichtlich und lesbar zu halten. Was nutzt uns das ständige thematische Abschweifen?
Wie gesagt schick mir eine Private Nachricht wenn Du darüber weiterreden möchtest.
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Alt 17.07.05, 22:00   #112
nitsche86
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Zitat:
Zitat von Booni
Das sehe ich anders. Rom hat m.E. ein deutlich urbaneres Stadtbild als Berlin.
Einspruch,

Zitat:
Zitat von Booni
Und auch Paris, das ja im eigentlichen Kernbereich auch keine Hochhäuser hat, wirkt urbaner. Vielleicht könnte man New York oder Chicago als Gegenbeispiel heranziehen, aber ich sehe diese Städte nicht als urbaner sondern lediglich als höher an.
Ich finde New York ist die urbanste Stadt überhaupt.


Zitat:
Zitat von Booni
Nur weil es in den Straßen ein wenig schattiger ist, heißt es nicht, dass diese Stadt auch "städtischer" ist.
Urban wirkt eine Stadt m.E. erst, wenn sie lebt, quasi 24h am Tag 365 Tage im Jahr auf den Straßen was los ist. Und dazu braucht man keine Hochhäuser.

Ich stimm dir da 100% zu.

Jedoch machen einige Hochpunkte eine Strasse / ein Viertel auch abends interessanter. Das wichtigste ist, das es nicht nur Büro ist. Warum gibts es noch keine Disco auf einem Hochhaus in Berlin? Oder zumindest ein chilliger Club.

Außerdem sind nachts beleuchtete Hochhäuser wunderschön und geben einer Strasse mehr Abwechslung. 1-3 moderne Hochhäuser am Kuhdamm, warum nicht? Es ist doch nicht gleich ein neues Manhattan.

Außerdem kann man in Berlin in den Kiezen nachts in der Woche an 365 Tagen feiern -und das seeeeehr gut-

Zitat:
Zitat von Booni
Und gegen moderne Architektur habe ich auch nichts gesagt, bin allerdings der Ansicht, dass in unzerstörten Städten nicht unbedingt modern neugebaut werden muss wenn die historische Architektur noch alle wichtigsten Anforderungen erfüllt. Wenn irgendwo wenig bedeutsame und unansehnliche Altbauten etwas modernem Platz machen, ohne das ein historisches Ensemble darunter leidet, ist das völlig okay.
Wenn man jedoch eine Stadt hat, dessen Präsentanz der Kulturepochen bis 1945 vielleicht noch 10-30% beträgt, so ist es durchaus wünschenswert, wenn man Ensembles durch Rekonstruktionen ergänzt oder bedeutende Bauten rekonstruiert so wie es beim Hildesheimer Marktplatz oder in Frankfurt mit der Römerberg Ostzeile passiert ist.
Meine Rede, am Breitscheidtplatz findet man jedoch nur wenig historische Gebäude, die erhaltenswert sind, meiner Meinung nach.

Und das Schimmelpfennighaus find ich nicht wirklich besonders.
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Alt 18.07.05, 00:00   #113
Manuel
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@cinerama: Also wenn das Zoo-Fenster mitsamt Hotelnutzung kommen sollte, erhält es jawohl auch Gastronomie und vielleicht würden die ja sogar noch so eine Bar gaaaaanz oben machen, was dann ja genial wäre (finde das Haus aber trotzdem irgendwie klobig). Und das neue Schimmelpfeng Haus (das wesentlich besser aussieht) bekommt ja ein vorgelagertes Geschäfsthaus. Das also durch die beiden Hochhäuser am Platz die Geschäftsdichte sinkt steht demnach nicht zu befürchten.

Ansonsten ist die Diskussion für oder wider Hochhäuser hier ja ohnedies müßig. Booni und cinerama mögen halt keine Hochhäuser. Geschenkt...
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Alt 18.07.05, 00:43   #114
cinerama
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Ich fuhr selber eine Zeitlang gerne (in meiner Jugend) die Hochhäuser hoch, damals waren sie auch noch zugänglicher, bis sie gänzlich "privaitisiert" wurden. Stand dann der 80er/90er und dieser Jahre aber war: Aussichtsplattformen gab es am Kudamm schon lange nicht mehr, und das Europacenter hatte den I-Punkt schon Anfang der 80er Jahre geschlossen (jetzt macht er wieder auf, wo das Center mit Bürotower, Shopping-Fläche und dem kino-abrisswütigem Management in die Krise geraten ist: ein Flugsimulator muß schnell her, Motto: "Helicopter fliegt neues Kino aufs Dach des Europacenters" - Schlagzeile aus: Berliner Morgenpost). Allerdings: dieser eine I-Punkt im Eruopa-Center nebst dem nachwievor fast unvermieteten Bürotower reicht wohl völlig aus! Weitere kalte, sterile und blasse Glasfassaden und Bürohäuser (anstelle von Form und Charakter aus Stein) reissen die Region stilistisch m.E. auseinander. Wozu neue leere Bürohäuser? An der Ecke Joachimsthaler Str./Kantstr., an der ich täglich vorbeikomme, steht seit vier jahren ein neues, völlig unvermietetes neues Bürohaus (lediglich ein Sportgeschäft ist ins EG gezogen. Vorher gab es dort immerhin noch Privatwohnungen, ein mittelmässiges Restaurant und das Kino "Olympia", das ich gerne besuchte. Heute sehen wir dort eine tote Mars-Architektur ohne Sinn und Nutzen, übrigens mitverwaltet und vergeblich feilgeboten vom Management des Europacenters).
Nur ein totaler Rückbau in die 50er und 60er Jahre stellt warscheinlich den stimmigen Gesamteindruck in der City-West wieder her - oder andererseits der Totalabriss sämtlicher historischer Gebäude zugunsten der neuen Immobilienfonds.

Zuviel ist dort verbaut worden, und die Neugestaltung des Zoo-Borgens mit Hotels löst nicht die sozialen, kommunikativen und kulturellen Defizite der Region. Wer geht denn schon in Hotel-Restaurants und Nobel-Bars der High Society? Tatsächlich die urbane Population?

Nein, ich denke nämlich, selbst die jetzigen Klein-, Souvenir- und Ramschhändler im Bikini-Haus sorgen für mehr Leben, Abwechslung und Spaß als sämtliche ehrgeizigen Luxus-Projekte zusammengenommen, die noch anstehen. Selbstverständlich muß das gammelige Ambiente, der Drogenverkauf und die Unsauberkeit in der Region beseitigt werden. Dass aber ist die Aufgabe der Stadtreinigung, der Police und der Wachleute, die in der City-West selten einen Finger krumm machen.

"Back to the roots", würde ich schwärmerisch postulieren wollen. Gerne auch in Wiedererstehung von im Krieg zerstörten Gebäuden wie der Ecke am Gloria-Palast oder am Europa-Center, wo vorher das Romanische Café stand, wenn es hierfür denn Investoren gäbe...
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Alt 18.07.05, 01:44   #115
AeG
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Cinerama,

der von Dir verwendete Sprachgebrauch und die aufgezeigten Analogien lassen m. E. nur den Schluss zu, Du möchtest Deine Kindheitserinnerungen konservieren. Alles, was sich Dir dabei in den Weg stellt, wird mit Scheinargumenten überrollt (wie z. B. dem Leerstand, der Dich nicht die Bohne zu interessieren hat - Du musstest dazu extra das sehr seltene Beispiel des angeblich zuvor mit Leben gefüllten Ortes anführen, der einem leeren Bürohaus weichen musste).

Aber es sind nur Deine individuellen Erfahrungen und die daraus resultierenden Wünsche. Andere haben andere Wünsche und Sehnsüchte, wie Du hier eindrucksvoll lesen kannst. Verrate mir einen Grund, weshalb sich Planer, Investoren oder auch nur einfach gegenteilig denkende Personen in diesem Forum Deinen Ideen unterordnen sollten! Das funktioniert bestenfalls über konstruktive Debatten. Um zu überzeugen, solltest Du jedoch unumstößliche Sachargumente im Portfolio mitführen. Da Du nicht einmal auf meine Kommentare Deiner Aussagen eingehst, mag das bezweifelt werden.

Die von Dir bevorzugten Bauwerke der City-West, die in den 50er bis 60er Jahren entstanden sind, waren zu jener Zeit nichts weiter als Versatzstücke einer, nach Deinen Maßstäben wesentlich "inhumaneren" Stadtutopie. Es gilt hier also das Gleiche, wie in meinen ersten Anmerkungen zu Deinen Beiträgen zu lesen war: Beachte und akzeptiere den Kontext, in dem die jeweiligen Objekte enstanden sind! Nur so kannst Du der sich anbahnenden Depression entgehen. Oder willst Du das Schicksal kleingeistiger Kaffeetanten teilen, die immernoch den Kaiser wiederhaben wollen?



Booni,

Dein Vergleich Berlins mit Rom hinkt - und das an vielen Stellen. Auch in der Senatspolitik ist man seit Jahren redlich bemüht, mediterrane Städte als Leitbild fungieren zu lassen. Trotz aller Bemühungen, bisher ohne sichtbaren Erfolg.

Erstens, die Urbanität Roms bedingt sich am anteilig wesentlich stärkeren Touristenaufkommen. Das widerum liegt an Attraktoren, die man in Berlin niemals so aus dem Boden stampfen könnte. Viele urbane Merkmale Roms sind ohne die Touristenströme nicht denkbar.

Zweitens, die dortigen Lebensgewohnheiten sind schon aus klimatischen Gründen nicht auf Berlin und den Breitscheidtplatz übertragbar.

Drittens, entsteht Roms Urbanität aus Dichte. Diese Dichte entstammt historischen Begebenheiten und ist auf die in weiten Teilen noch sehr junge Stadt Berlin nicht übertragbar. In jüngeren Städten wird Dichte daher meist eher durch Extensivierung (Höhe), statt duch Intensivierung (Enge) erzielt.

Viertens, verfügt Rom zwar über kein einziges Hochhaus im hier debattierten Sinne, zeichnet sich dafür jedoch gerade in den großen, im Laufe der letzten hundert Jahre gewachsenen Quartiere durch eine durchschnittliche Geschosszahl bei Wohngebäuden aus, die beinahe dem doppelten der in Berlin üblichen entspricht.

Fünftens, wird man in Rom die Konkurrenz von Neuem zu bestehenden, historisch wertvollen Objekten berechtigterweise vermeiden wollen. Über derartige überregional aktive Attraktoren verfügt Berlin kaum - schon garnicht am Breitscheidtplatz!

Sechstens, Berlin konkuriert vielmehr mit Metropolen wie Warschau, Paris, Wien, London oder auch Madrid. Im Vergleich zu Genannten sind wir, hochbautechnisch gesehen, Entwicklungsland. Und Dein Vergleich mit Paris hinkt auch insofern, als dass es a) im unmittelbaren Paris auch sehr wohl Gebäude gibt, die die Planungen am Breitscheidtplatz bis um den Faktor zwei übertreffen und b) La Concorde vom Pariser Zentrum nicht weiter entfernt ist als der Breitscheidtplatz von Berlin-Mitte.


Gruss
AeG

EDIT: Das muss natürlich "La Defense" heißen

Geändert von AeG (24.08.05 um 18:16 Uhr)
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Alt 18.07.05, 02:36   #116
cinerama
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Das sind noch ganz gezielte Verdrehungen, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen urbane Strukturen anderer Städte mit Berlin ebendort vergleichen, wo der historische und architektonische Kontext gar nicht gegeben ist. Für Berlin-West ist die City-West sowohl Symbol des Wiederaufbaus wie auch ein Treffpunkt in stadtebaulich in den 50er/60er-Jahre geprägten Kultureinrichtungen. Diese mit den historischen altrömischen Zentren oder mit einem völlig neu erstandenen Stadtviertel wie dem pariser Platz La Concorde zu vergleichen, greift nicht durch, weil die City-West Berlins anders ist: eine Mixtur der Gründerarchitektur und der 50er Jahre, die stets strittig war.
Diese zugegebenermassen angestrengte Balance nunmehr durch Frankfurter Banker-Architektur gänzlich zunichte zu machen, überzeugt mich und andere auch dann nicht, wenn uns Gefühle oder "Jugenderinnerungen" entgegengehalten werden. Vermutlich ist der Verfasser des vorherigen Beitrages ein Mitstreiter der neuen City-West-Investoren? Oder der Fraktion "Alte gebt die Löffel ab?" Soviel Jubel auf Immobilien- und Banker-Investments ist schon nicht mehr rational nachvollziehbar und läßt mutmassen, daß hier jemand bestimmte Branchen und Geldinteressen vertritt, frage ich einmal höflich an.
Im übrigen greift jene Polemik meines Vorredners, ich würde den Anlegern etwas verbieten können, ins Leere, da diese Gesellschaften sich einen erheblichen Macht- und Gestaltungsraum (bis hinein in die Politik) verschafft haben, der den Gesamtinteressen der Stadt, seiner Bürger und der sozialen Wohlfahrt nicht zwingend verbündet ist und leider auch nicht "abwählbar" ist. Hier werden von meinem Vorredner die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse von den Füssen auf den Kopf gestellt, und diejenigen, die sich gegen einen verbauten Lebensraum in dieser Stadt zur Wehr setzen, mit einem Diktaturs-Nimbus etikettiert, der unter den gegebenen Verhältnissen jeglicher Grundlage entbehrt.

Der Gipfel des Chuzpes meines Vorredners ist gar die Zurechtweisung, es habe mich "nicht die Bohne zu interessieren", ob und wo ein (angeblich seltener) Leerstand in Berlin vorherrsche. Das klingt schon sehr verdächtig in anbetracht des tatsächlichen und bedrohlichen Bürohaus-Leerstandes (gerade wird ein weiteres an der Joachimsthaler Str. neben dem Swiss-Hotel fertiggestellt), der stadtweit bekannt ist und nunmehr den einst urbanen Kulturraum City-West zu überschwemmen hat, so daß ich jegliche Fortsetzung solcher Unternehmungen des Abrisses und durch zwielichtige Investoren verbaute Stadtzentren allmählich für ein Kapitalverbrechen halte.

"Eigentum verpflichtet!". Meine Herren - so steht es im Grundgesetz!
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Alt 18.07.05, 03:41   #117
AeG
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Zitat:
Zitat von cinerama
[...] Vermutlich ist der Verfasser des vorherigen Beitrages ein Mitstreiter der neuen City-West-Investoren? Oder der Fraktion "Alte gebt die Löffel ab?" Soviel Jubel auf Immobilien- und Banker-Investments ist schon nicht mehr rational nachvollziehbar und läßt mutmassen, daß hier jemand bestimmte Branchen und Geldinteressen vertritt, frage ich einmal höflich an.

Das ist eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung. Leider hat sie den Charackter einer Unterstellung. Daher muss ich annehmen, "mein Vorredner" glaubt, lediglich er sei befähigt, Volkes mehrheitliche Meinung zu postulieren. Niemand hat Dich dazu legitimiert. Cinerama, das ist kleingeistiger Dünnpfiff, leider. Ich akzeptiere Deine Bedenken und versuche, sie zu entkräften. Dir hingegen fällt nichts besseres ein, als meine wohlgemeinte Absicht als Manipulationsversuch in kognito zu missdeuten. .

Zitat:
[...] Der Gipfel des Chuzpes meines Vorredners ist gar die Zurechtweisung, es habe mich "nicht die Bohne zu interessieren", ob und wo ein (angeblich seltener) Leerstand in Berlin vorherrsche[...]
Du hast mich auch hier missverstanden. Nicht der Leerstand ist selten (bis unwahrscheinlich), sondern die Tatsache, dass ein funktionierendes urbanes Quartier einem leerstehenden Renditeobjekt geopfert wird. Da Du offenbar die direkten Worte liebst nenne ich das mal so: Dein Beispiel ist an den Haaren herbeigezogener, konstruierter Unfung! Konkretisiere das doch bitte einmal. Weder das Viktoria-Areal, das Ku'damm-Eck, das alte C&A -Kaufhaus, der Royal-Palast oder die Leibnitz-Kollonaden waren/sind nach unserer Konvention vormals urbane Orte, die zwangsweise etwas Platz schaffen mussten für heutigen Leerstand. die Frage, was Dich am Leerstand von Orten interessiert, die zuvor nie so intensiv bewirtschaftet oder aber aufgegeben wurden, hast Du leider noch nicht beantwortet, Polemiker.

Und der Höhepunkt Deiner Argumentation ist der Verweis auf demokratische Instanzen! Das klingt hier gerade so, wie: "Ich bin zwar ungewillt, mich inhaltlich mit der Sache zu befassen (bzw., die Meinungen Andersdenkender zu akzeptieren), aber ich darf trotzdem mitreden, so steht's nunmal im Gesetz!" Aber erstens ist der demokratische Planungsprozess nicht dazu gedacht, als Verhinderungswerkzeug der Ewiggestrigen missbraucht zu werden und zweitens hat Demokratie in dieser Sache bisher nur dafür gesorgt, zu konservieren oder (faule) Kompromisse zu finden. Demokratische Beteiligung dient als Reißleine, um unbillige Härten für einzelne Betroffene zu verhindern. Neues, gar Innovatives kann sie dem Wesen nach im Falle von Architektur nicht erbringen. Nicht einmal in einer Wettbewerbsjury sind paritätische Verteilungen wünschenswert. Das ist auch gut so. Welche Merkmale der heute von Dir geliebten City-West wären denn möglich gewesen, hätte Demokratie in Deinem Sinne schon zu Zeiten vergangener Planungswellen "gewütet"? Denk mal darüber nach!

Ich wähle mal ein einfaches Beispiel, das auch Dir gerecht werden sollte: Der "Pöbel" kauft(e) wie verrückt Bohlen-Platten. Niemand, der sich intensiv mit Musik beschäftigt, wird Herrn Bohlen wegen seiner kompositiorischen, texterischen Qualitäten verehren (allenfalls sein Instinkt für die Masse würde Anerkennung finden). In Architektur und Städtebau verhält es sich ähnlich. Würdest Du einem ernsthaften Musiker mit Hilfe "demokratischer" Daumenschrauben nahelegen wollen, zukünftig nur noch Bohlen-Geklimper und -Gejodele zu imitieren? Nein? Aber warum hältst Du dann Architekten und Planer für "weltfremd"? Sind die alle im ersten Semester einer Gehirnwäsche unterzogen worden? Für den Fall, Du bist ein ganz Schlauer und sagst, in diesem Vergleich wären die neuen Planungen für die City-West die Entsprechung zu Bohlen-Mucke frage ich Dich vorauseilend, willst Du den Massengeschmack "demokratisch" verbieten? Letztlich entscheidet der Markt.

Die derzeitige "Balance" der City-West entstammt Deiner individuellen Wahrnehmung. Dass Du die bewahren willst, dürften inzwischen alle verstanden haben. Für mich ist sie das nicht, da ich - offenbar im Gegensatz zu Dir - über den Tellerrand hinaus schaue, Fantasie und Vorstellungskraft besitze und auch Risiken in Kauf nehme, wenn ich Chancen erkenne. Die City-West als kulturelles Zentrum von gestern ist auch Schnee von gestern. Sie funktioniert nicht als Freiluftmuseum für die Kindheitserinnerungen des Herrn Cinerama. Das musst Du begreifen! Du kannst sie nicht auf Kosten anderer konservieren. Dafür ist es eh zu spät. Sie muss sich neu erfinden. Und das tut sie gerade (oder schon seit Jahren). Die Chancen sind zu groß, als dass man sie den Wünschen von ein paar Krawallmachern, die irgendwann ins Gras beißen, unterordnen sollte. Es tut mir Leid um Deine Trauer. Aber versuch doch einfach im nächsten Leben, als Investor oder Planer auf die Welt zu kommen .


Gruss
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Alt 18.07.05, 12:03   #118
nitsche86
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Die City-West nach Vorbild der 50er und 60er Jahre Architektur wieder aufbauen und dann so zu konservieren.

Der Vorschlag sagt alles aus. Die City-West muss auch mit der Zeit gehen um zu überleben und die neuen Gebäude gefallen mir sehr gut.
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Alt 18.07.05, 13:51   #119
cinerama
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Diese Kontemplationen von @Aeg stellen unter dem Deckmantel der „Realpolitik“ die bis dato hemmungs- und skrupelloseste Manipulation von Öffentlichkeit dar, die ich wirklich seit langem vernommen habe. Ich verfechte daher einen mir sinnvoll erscheinenden Gegenstandpunkt, ob er nun Volkes (oder Investors) Meinung sei oder nicht. Der von meinem Vorredner bemühte Diskurs über Demokratieverständnis entlarvt sich schon dadurch, dass dieser Begriff stets dann instrumentalisiert wird, wenn es um eigene Interessen geht. Ich brauche also keineswegs „legitimiert“ zu sein, wie @Aeg einfordert, um das Wort zu ergreifen (notabene: es gibt seti dem 19. Jhd. in der bürgerlichen Verfassungeschichte Grundrechte, ohne die auch der Investor oder Spekulant keinen Handlungsraum hätte – und diese „Legitimation“ [Freibrief] wird ihm per Autorität als bestitzende Elite zuerkannt). Mein Vorredner @Aeg attestiert mir „Dünnpfiff“. Um hernach neuerlich kulturelle Bedürfnisse zu negieren, die Geschichte zu leugnen und den Bedürfnishorizont zu verrehen. Aus solchen Invektiven spricht (nach meinem Eindruck) elitärer Dünkel eine bestimmten Wirtschaftsklasse, die für sich reklamiert, Standortinteresse, Verantwortung und Leistungsbereitschaft inkarniert zu haben. Rhetorik und Ideologiegehalt jeher Ausführung sind ebenso polemisch wie mein Ansatz, und so sollte es auch offengelegt werden. Man kann doch nicht wie der Vorredner es tut einerseits einen Demokratiediskurs beginnen wollen (Historisches, Form, Verfassung, Plebiszit und Klassenspezifik würden hierbei zu unterschiedlichsten Kategorien führen, wo sich der Dikutan nicht heranwagt), andererseits aber „Demokratie“ (welche denn denn nun? Die bestehende?) als schädlich im Meinungs- und Entscheidungsprozess zu deklarieren, ich zitiere:

Aber erstens ist der demokratische Planungsprozess nicht dazu gedacht, als Verhinderungswerkzeug der Ewiggestrigen missbraucht zu werden und zweitens hat Demokratie in dieser Sache bisher nur dafür gesorgt, zu konservieren oder (faule) Kompromisse zu finden. Demokratische Beteiligung dient als Reißleine, um unbillige Härten für einzelne Betroffene zu verhindern. Neues, gar Innovatives kann sie dem Wesen nach im Falle von Architektur nicht erbringen. Nicht einmal in einer Wettbewerbsjury sind paritätische Verteilungen wünschenswert. Das ist auch gut so.

„Ewiggestrig“ als Vorwurf ließe sich beliebig in jede Richtung polemisieren: liest man solche Tiraden genauer, könnte man sie sogar zugunsten der „Legitimation“ der … sagen wir hier ruhig einmal … Nationalrevolutionären wenden: für Albert Speer sr. und seinen Mäzen wäre dies der Freibrief gewesen, halb Berlin abzubrennen und eine neue (geschichtslose und auf reine Machtrepräsentanz angelegte Metropole namens) Germania zu errichten. Dies wird mein Vorredner als überspitzt vehement von sich weisen, aber in der Rigorosität der epidemischen Abriss- und Neubaudebatten, in der die evidente Gesichts- und Charakterlosigkeit der neuen Fassaden zutage tritt (die statt Charakter lediglich ein kristallines Funkeln dem etwas gammeligen Look der Altfassaden entgegensetzen) erkenne ich einen globalisierten Macht-, Gestaltungs- und Konsumtionswahn ungebremster Spekulanten und freiwillig sich unterwerfender Konsumenten, der allenfalls der Rendite der Anleger zu dienen hat, wekche hier wie dort eine Dependenz durchboxen möchten, ungeachtet der vorherigen Kultursphäre in der Region. Die Kultursphäre in der City-West war (und ist) aber sehr vielgestaltig, Licht und Schatten finden sich hier, und es ist ein Unverfrorenheit, wenn die Ausführungen meines Vorredners @Aeg insinuieren, Volkes Wille, Wunsch, Bedürfnis und Entäusserung tendiere stets zur „Dieter-Bohlen-Mentalität“. Eine Carte blanche für Wirtschaftseliten, die im Staat das Sagen haben sollten, entlehne ich hieraus.
Die City-West hatte an Wertschöpfung, Entertainment, Kultur und Kommunikation mehr zu bieten. Sich hinzustellen und zu sagen, das sei alles vorbei, nun müsse was Neues her, gibt ganze Stadträume, um die selbst von den Investoren becircte Bezirkspolitiker noch kämpfen, dem Verfall preis und zur Gänze auf. Mir ist der Hintergrund solchen Abbruchs- und Neubauradikalismus nicht unbekannt, wird doch stets damit argumentiert, diese Stadt vertrage nicht drei Zentren: Alexanderplatz, Potsdamer Platz, City West.
Selbstredend verwahre ich mich dagegen. Auch ist zu fragen, ob das Projekt Potsdamer Platz (und die kommenden am Alexanderplatz) einen solchen Preis wert waren, in dem nun die Relikte der Wiederaufbauära zur Gänze geschleift werden? Dieser Tendenz einer Wirtschaftsdiktatur der Baulöwen und internationalen Konzerne muss massiv entgegengetreten werden, denn diese „Machtelite“ bringt es ungeniert fertig, nicht nur Geschichte, Kunst, Kommunikation und Baudenkmäler zu entsorgen, sondern am Ende den Menschen selbst. Dies bedeutet für mich "mit der Zeit gehen".

Konkret noch zu einigen angesprochenen City-West-Bauten, ich zitiere den Abgesang meines Vorredners:

Weder das Viktoria-Areal, das Ku'damm-Eck, das alte C&A -Kaufhaus, der Royal-Palast oder die Leibnitz-Kollonaden waren/sind nach unserer Konvention vormals urbane Orte, die zwangsweise etwas Platz schaffen mussten für heutigen Leerstand. die Frage, was Dich am Leerstand von Orten interessiert, die zuvor nie so intensiv bewirtschaftet oder aber aufgegeben wurden, hast Du leider noch nicht beantwortet, Polemiker.

Was warum und durch wen „intensiv“ genug bewirtschaftet wurde, darf gerne diskutiert werden! Aber eine Skizzierung der Mißwirtschaft ist m.E. keine Legitimierung für Abschaffung sinnvoller Gewerbeansiedlungen. Zumindest hatten diese Stätten eine höchst wechselhafte, abwechslungsreiche und sprudelnde urbane Kultur zu bieten, selbst an der Ecke Joachimsthaler Str. /Kantstr. wie bereits erläutert. Das Kudamm-Karree hatte das Panoptikum, eine Bowlingbahn, die Kinos „Camera“, „Oscar“ und „Smoky“, zwei Sexkinos und Videokabinen für das kleinstmögliche Vergnügen. Jetzt tobt sich dort die Monokulturation aus: Textilhopping ohne Ende, bis zum Abwinken. Sofern an einigen der genannten Orte sogar ein Leerstand auftritt („Filmbühne Wien“, das Bürohaus Ecke Joachimsthaler Str./Kantstr.), so erscheint mir der vorherige Zustand, mittlerweile selbst das Sexgewerbe, „humaner“ konzipiert gewesen zu sein, als spekulatives Investment und Kapitalverbrennung.

Noch ein Zitat des Herrn @Aeg:

Die City-West als kulturelles Zentrum von gestern ist auch Schnee von gestern. Sie funktioniert nicht als Freiluftmuseum (...).

Warum eigentlich nicht? Der authentische Rückbau in die 50er/60er Jahre, die ich antithetisch einmal als Maximalposition vorstelle, könnte eine atemberaubende Faszination und einen echten Publikumsmagneten – gerade auch für die Touristen – exemplifizieren. Diese City hätte – von Halensse bis zum Wittenbergplatz – hundertfach mehr zu bieten als die beiden anderen genannten Stadtzentren. Sie hat auch jetzt noch mehr zu bieten, wie mir einmal Dr. Hassemar, gleichwohl er einer der Schöpfer des Potsdamer Platzes war, kundtat.

Ein „Freiluftmuseum“ kann unter entsprechenden Bedingungen eine Sensation sein. Ich finde diese Idee ausgesprochen zündend! Ein authentischer Wiederaufbau von Stadtsektoren ist nicht unbedingt ein Zeichen von Einfallslosigkeit oder seines Sinns entraubtem Konservatismus: so wurde etwa die Altstadt Krakau authentisch wieder aufgebaut: eine Sensation.

Nichts gegen kühne, strahlende Architekturentwürfe des dritten Jahrtausends: wir brauchen diese Evolution, wenn sie den Stadtbewohnern dient. Warum aber, das wurde bereits von anderen Forumsteilnehmern gefragt, geschieht dies nicht auf brach liegenden Geländen, unbebautem Terrain oder auch am Stadtrand? Wenn diese Konzepte und Gewerbe derart überragend propektiert, dann dürften sie sich auch anderenorts durchsetzen. Dafür aber schafft man nicht die Geschichte ab, sondern engagiert sich für ihre Zeugnisse, erhält oder reaktiviert ihre Kultur.

Hier aber, in der City-West, besteht aus wohlüberlegtem Grunde ein Denkmalschutz.

Geändert von cinerama (18.07.05 um 15:05 Uhr)
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Alt 18.07.05, 13:56   #120
Manuel
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@cinerama: Ich glaube, Dein Post könnte man tatsächlich schon als "schriftliches Filibustieren" bezeichnen. Um sich mit Deinem Post wirklich auseinanderzusetzen, müsste man ihn vollständig lesen, aber dagegen ist sogar das FAZ-Feuilleton kurzweilig formuliert...
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