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Alt 06.07.08, 05:12   #91
micro
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Zitat von AeG
Punkt zwei: die Gelder, die Tiefensee heute für das Tunnelprojekt in Aussicht stellt, fehlen bei anderen Infrastrukturprojekten, wo sie im Einzelfall sicher ähnlich wichtig sind.
Das Leben ist selten ein Nullsummenspiel, auch wenn wir alle immer wieder dazu neigen, das anzunehmen, weil es logisch erscheint, und weil man nicht alle Gesichtspunkte berücksichtigt. Geld, das man irgendwo hin gibt, muss ja schließlich an anderer Stelle fehlen, ok. Aber dabei vergisst man, dass Geld, klug eingesetzt, einen Gewinn bringen kann, der den Verlust mehrfach ausgleicht.

Der Welterbestatus dürfte so viele, auch internationale, Touristen in die Stadt spülen, dass es sich langfristig auf jeden Fall lohnen dürfte. Was ich "dem Osten" vorwerfe (ohne damit jemanden persönlich angreifen zu wollen oder das überhaupt zu können), ist, dass man dort immer noch zu wenig international denkt. Es wird nicht gesehen, dass man auch einen finanziellen Verlust machen wird, wenn man den Welterbestatus verspielt.

Die Arbeit der Unesco ist wissenschaftlich. Historisch und erdgeschichtlich besonders interessante Plätze in ihrer Vielfalt werden entsprechend kenntlich gemacht, um Interessierten damit Anhaltspunkte zu geben, aber auch um ein Gesamtbild zu erstellen. Für die Aufnahme gibt es nunmal bestimmte Kriterien. Welchen Grund sollte die Unesco haben, "erpresserisch" tätig zu sein und sozusagen aus Spaß irgendwelche Städte zu piesacken?

Ich habe an die 50 Welterbestätten gesehen, allerdings nicht um einen Sport daraus zu machen, sondern weil sie sich oft zufällig mit dem deckten, was ich nach Beschäftigung mit meinen Reisezielen selbst für besonders sehenswert hielt. Das habe ich dann erst später gemerkt, als ich mal die Unesco-Liste durchgegangen bin. Aus dieser Erfahrung heraus sehe ich den Welterbestatus aber auch zunehmend als Qualitätsurteil, so dass ich Welterbestätten vermehrt auch gezielt ansteuere. Es ist eine brauchbare Entscheidungshilfe, und man wird selten enttäuscht.

Manche Plätze sind nunmal nicht sooo besonders, so dass der Welterbestatus auf der Kippe steht. Und wenn dann ein paar unpassende Gebäude aus dem Boden schießen, kündigt die Unesco entgegenkommenderweise an, dass die Kriterien bald nicht mehr erfüllt sind. Ich sehe darin keine Schikane, sondern einen objektiv ablaufenden Prozess.
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Alt 06.07.08, 07:25   #92
Cowboy
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@ Dvorak, wie DiggerD21 bereits schrieb, ist nicht die Stadt Dresden, sondern das Elbtal Weltkulturerbe. Was Dresden angeht, so steckt nicht nur die Stadt, sondern auch der Freistaat, der sich bekanntlich vehement für die Brücke einsetzt, enorm viel Geld in die Dresdner Kultur (Städteranking gefälligst?). Dein Standpunkt zum Thema Rekonstruktion ist uns allen hinlänglich bekannt, und dein Eindruck, dass Dresden ein Beispiel für kulturellen Niedergang ist, sei dir von Herzen gegönnt. Aber weder hat das was mit der Realität, noch mit dem Thema Waldschlösschenbrücke zu tun.

@ micro, die wenigsten Touristen, die Dresden besuchen, interessieren sich für den Welterbetitel. Sie kommen, wie AeG bereits ausführte, wegen der (barocken) Stadt und ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Sie besuchen die Frauenkirche, das Grüne Gewölbe, den Zwinger, die Hofkirche, den im Wiederaufbau befindlichen Neumarkt, die quirlige Neustadt und vieles mehr. Das Elbtal erkunden sie nur, wenn noch Zeit bleibt, und dann meistens in Form einer Schaufelraddampferfahrt zur Schlossanlage Pillnitz (oder darüber hinaus in Richtung Sächsische Schweiz), wo sie sich sicher nicht an einer weiteren Brücke stören werden. Genauso wie der Touri heute nicht sagt, das Elbtal ist Weltkulurerbe, deshalb muss ich unbedingt nach Dresden, wird er bei einer Aberkennung nicht sagen, die Unesco hat den Titel entzogen, da fahre ich bestimmt nicht hin.

Zur Unesco hat AeG schon sehr ausführlich geschrieben. Von mir nur soviel: Den Vorwurf der Posse muss sich nicht die Stadt Dresden, sondern die Unesco gefallen lassen. Anders ist es auch nicht zu erklären, warum sie der Stadt noch 1 Jahr Gnadenfrist gewährt, wo doch der Bau der WSB schon in vollem Gange ist. Es wurden bereits über 2 Millionen Euro verbaut. Entweder hätte sie den Welterbetitel schon jetzt aberkennen müssen, oder ihn fürs Elbtal (zähneknirschend) beibehalten.
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Alt 06.07.08, 08:19   #93
AeG
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Der folgende Beitrag überschneidet sich etwas mit Cowboys Letztem. Sorry, ich hatte ihn bereits zuvor begonnen.

Mag sein, dass der Ossi zu wenig international denkt. Er hat ja auch historisch bedingt eine andere Sicht auf sich und die Welt. Das kollektive, opferartige Wir-Gefühl und die Angst zu kurz zu kommen, sind relativ stark ausgeprägt. Vermutlich ist Vieles von dem hausgemacht. Aber dieses Lebensgefühl teilt er mit zahlreichen anderen Minderheiten hierzulande. Kein Wunder, wird er doch wie diese gerne pauschal kategorisiert und von den Meinungsmachern abgegrenzt. Wo die Rechtsextremen im Westen vier Prozent erhalten, sind’s im Osten sechs - schon ist der „der Ossi“ ein Nazi. Dabei ist er in dem Bestreben, sich selbst der Nächste zu sein, vermutlich dem Amerikaner, dem Italiener, dem Afghanen oder dem Chinesen ähnlicher als „der Wessi“, der wiederum auch historisch bedingt dazu neigt, seinen Selbstwert über das häufig kasteiende, eher virtuelle internationale Ansehen zu definieren – was dem Deutschen im Ausland mittlerweile bei nicht wenigen auch den Ruf des Krankhaften beschwert hat.
__________

Selbstverständlich existiert kein natürliches Interesse der UNESCO, einzelne Erdteile und deren Bewohner in ungerechter Weise zu piesacken. Aber sie ist nun mal kein unabhängiger, einzig von innen heraus agierender Expertenverein. Indem die Personalwahl durch politische Entscheidungsträger erfolgt und in dem Maße, in dem sich ebenso motivierte Gestalter entsprechender Organisationen bemächtigen (wofür sich in Deutschland eine ausgeprägte Kultur entwickelt hat, siehe „der Marsch durch die Institutionen“) ist die UNESCO auch nicht gänzlich unpolitisch. Das kann man im Fall der Waldschlösschenbrücke bereits dem zeitlichen Ablauf entnehmen. Die Aberkennung des Weltkulturerbe-Status war nur möglich, nachdem dieser erst im Anschluss an die lokalen Querelen vergeben wurde. Die zeitlich enge Abfolge von politischen Entscheidungsprozessen, der Status-Zuerkennung und der direkt im Anschluss erfolgten Aberkennungsdrohung (dazwischen liegt jeweils weniger als ein Jahr; mit dem lange schon in der heutigen Form existierenden Streitsubjekt kann das kaum begründet werden) legen die Vermutung der Instrumentalisierung der UNESCO zum verlängerten Arm politischer Strömungen nahe.

Die Feststellung, die Welterbestätten würden im Regelfall auch auf individuelles privates Interesse stoßen, ist banal. Das dürfte jedem halbwegs kulturell Gebildeten bzw. Interessierten ähnlich gehen. Die UNESCO fungiert hier doch aber mehr als Wegweiser, denn als Etikettierer. Das Interesse an den meisten ausgewiesenen Orten ist auch ohne dieses Label gegeben und existierte bereits vor der Gründung dieser Organisation. Wichtiger ist doch der Konservierungsgedanke. Womit ich wieder beim Thema bin, dass ich es als sehr merkwürdig empfinde, dass der drohenden Aberkennung im Fall der Dresdener Elbquerung schnell noch die angeblich so bedeutsame Anerkennung vorausgehen musste. Und wie im letzten Beitrag schon erwähnt, die Gesellschaft, in der sich die Elblandschaft samt der geplanten Brücke auf der „roten Liste“ befindet, verstärkt nur noch diesen Missbrauchsverdacht.

Apropos Missbrauch: ich betrachte es schon als reichlich unredlich, wenn die Aberkennungsdrohung, die sich eindeutig auf das Elbtal und nicht auf die Stadt an sich bezieht, heute von der UNESCO oder den eigenartig engagierten Politikern gegen den zukünftigen Stadttourismus zu Felde geführt wird. Die Tourismuszahlen haben sich bisher nahezu unabhängig vom kilometerweit vom Stadtzentrum entfernten Elbwiesenstandort der zukünftigen Brücke entwickelt. Für die überwiegende Zahl der Besucher spielt diese Gegend bisher keine derart überragende Rolle. Die geschickt formulierten Drohungen suggerieren aber, durch den Brückenbau würde das Antlitz der populären Dresdener Attraktoren in Mitleidenschaft gezogen werden. Es wird zudem völlig vernachlässigt, dass es sich lediglich um eine weitere Brücke handelt. Von einer neuen Qualität kann dabei keine Rede sein. Dort sind bereits einige existent. Die Regelung, die eine Maximalzahl an Brücken aus verschiedensten Epochen vorsieht, möchte ich mal sehen. Die Waldschlösschenbrücke weicht auch nur geringfügig von den Dimensionen der anderen Brücken ab – etwa in dem Maße, wie immer einer der Größte sein muss. Legitim wäre es aus meiner Sicht allenfalls, über die zeitgeschmäcklerische Gestaltung des Bauwerkes nachzudenken. Mit etwas gutem Willen ließe sich sogar ein Stück Kulturerbe hinzugewinnen. Schade, dass der zwischenzeitlich eingeschlagene Weg der UNESCO, sich mehr an der Gestalt als an der Brücke selbst zu stören, mit dem neuesten unsäglichen, erpresserischen Ultimatum wieder verlassen wurde. Das viele Geld, dass heute angeblich für einen Tunnel zur Verfügung gestellt werden kann (warum engagierte sich nicht schon vor zehn Jahren jemand derart, die Querung wäre längst fertiggestellt und alle wären zufrieden?!) könnte man genau so gut, dabei aber zeitnah und effizient, in eine wesentlich attraktivere, vielleicht einmalig elegante Gestaltung der Brücke investieren!
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Alt 06.07.08, 14:51   #94
heiji
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Wenn ich mich recht erinnere, hat doch die Unesco sich nur an der Form der Brücke empört. Es wurden schlankere Füsse entwickelt und die Strassenbeleuchtung anders gestaltet. Oder nicht?

Ich meine ja, dass die Form mit den Bögen eigentlich genau die passende ist. Die ganzen Innenstadtbrücken sind ja Bogenbrücken (genau wie die alte Carola sie auch einst war). Einzig die Materialien und paar EInzelheiten stören. Die Betonbögen sind mir irgendwie zu "betonig" und zu massiv. Irgendwie fehlt mir Sandsteinoptik, denn das passt Meilen besser zum Gesamtbild der Stadt. Dieses ganze grau macht die Umgebeung irgendwie trostloser als die Brücke selber und das würde die Landschaft zerstören. Und irgendwie irgendwo Stahlfachwerk wäre auch passender für das Städtegesamtbild. Schliesslich haben diese Kombination bereits Blaues wunder und Hauptbahnhof, beides Verkehrswahrzeichen der Stadt. Ja selbst die alte, im Krieg zerstörte Carolabrücke hatte beides.

Hätte man eine solche Brücke geplant, wäre ein Tunnel nicht nötig gewesen, da die Brücke ein Gewinn für die innenstädtischen Charakters des Kulturerbes gewesen wäre.

Ausserdem: Ich will nicht die Leute kritisieren, die den Welterbetitel gerne behalten wollen. Ich kitisiere die Unesco mit ihren Entscheidungen. Die Brücke ist mitten im Elbtal, richtig. Nur: Von so vielen Punkten aus wird man sie nicht sehen können. Warum muss Pillnitz mit Einbussen belastet werden, obwohl man von dort die Brücke nicht sieht? Warum muss das Altstadtessemble bzw die Canaletto-Silouette "entUNESCOsiert" werden, obwohl die Brücke da nicht steht? Auch hat die Brücke keinen Einfluss auf das Ostragehege. Ich halte ja die ganzen Bauten der Pirnaischen Vorstadt viel viel destruktiver als die Brücke. Selbst die so nahe an der Altstadt gelegene neue Carolabrücke ist immens hässlicher als die WSB. Trotzdem wurde das Welterbe anerkannt.
Man könnte ja jetzt genauso argumentieren, dass im Mittelrheintal zu viele Industrieschiffe verkehren und das Bild stören...

Warum wurde denn das Welterbe erteilt? Na weil der Städtebau besonders gut in die Elblandschaft integriert wurde. Einfach die Brücke überarbeiten und ästhetischer in die Landschaft integrieren, da kann dann auch keiner von der Unesco was sagen. Man wollte schliesslich schon weit "vor Unesco" dort eine Brücke bauen.
Tunnel wäre natürlich noch besser.
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Alt 06.07.08, 15:58   #95
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heiji, Du schließt Dich in Deinem Beitrag meiner Meinung absolut an, wie ich sehe. Du scheinst nur leider noch nichts vom neuesten UNESCO-Ultimatum aus dieser Woche gehört zu haben. Darin wird eine Brücke grundsätzlich kritisiert und in spätestens einem Jahr als Ursache für den Status-Entzug herhalten müssen, ganz unabhängig von ihrer Form.

Es ist übrigens nicht der Verdienst der Dresdener oder der Sachsen, wenn Brückenkonstruktionen heute im Allgemeinen weit weniger elegant wirken als noch vor 50, geschweige denn vor 100 Jahren. Die "Schuldigen" dafür kann man getrost in Berlin, in Bonn oder auch in Brüssel suchen.
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Alt 07.07.08, 00:25   #96
Dvorak
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@Cowboy:

Mir ist schon klar, dass der Welterbetitel nur für das Elbtal gilt, das hab ich einfach falsch formuliert. Ich glaube aber nicht, dass man da so einfach die Grenze ziehen kann, sicher spielt auch immer die ganze Stadt eine Rolle bei der Vergabe eines solchen Titels, zumal es sich in diesem Fall ja nicht um ein einzelnes Gebäude oder Gebäudeensemble handelt, sondern eben um einen relativ großen Tiel der Stadt.

Ich habe mich zu keiner Rekonstruktion geäußert, sondern zu dieser unsägliche Art alte Fassaden einfach vor Beton zu hängen. Ich kenne niemanden der sich das als Normalzustand wünscht. So etwas ist einfach kulturelle Barberei! Braunschweig hat sich mit eben so einem "kulturellen Projekt" nämlich dem Schloss als Kuturhauptstadt beworben, und außer Gelächter nichts dafür kassiert.

(Vor circa 3 Wochen hat an der Uni ein Architekt von einer Dresdner Posse erzählt. Dabi ging es darum, das ein Mäzen (die Dresdner werden ihn besser kennen als ich) eine Künstlerkolonie in Dresden bauen wollte. Der Architekt hat sich dann unter Künstlern an den verschidensten Hochschulen umgehört un immer zu hören bekommen, Dresden sei der letzte Ort an den man gehen würde. So viel zum kulturellen Status der Stadt.)
__________________
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Alt 07.07.08, 21:38   #97
Cowboy
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^ Ja, ja, schon klar, ausgerechnet der Architekt geht an verschiedene Unis, um sich bei den Künstlern umzuhören, die ihm dann aber blöderweise zu verstehen geben, dass sie lieber nach Braunschweig statt nach Dresden gehen würden. Jetzt aber bitte wieder zurück zum Thema Waldschlösschenbrücke.

Geändert von Cowboy (07.07.08 um 22:14 Uhr)
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Alt 08.07.08, 21:31   #98
micro
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Es geht auch anders

Vorhin in ZDF-"heute" ein Bericht über eine geplante Rheinquerung im Unesco-Welterbegebiet nahe der Loreley zwischen St. Goar und Goarshausen. Es wurde ausdrücklich auf die Analogie zur Waldschlösschenbrücke hingewiesen.

Anders als an der Elbe will man sich am Rhein auf jeden Fall mit der UNESCO abstimmen und eine "weltkulturerbeverträgliche" Lösung suchen. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, auch eine Tunnellösung kommt in Betracht. Wirtschaft und Anwohner sind pragmatischerweise eher für eine feste Verbindung der beiden Städte, ein Fährunternehmer hat im ZDF das Argument ins Feld geführt, dass Fähren auch ein fester Teil der dortigen schützenswerten Kulturlandschaft seien.

War nicht einfach, im WWW eine Quelle zu finden, die das back-upt. Hier ein Bericht vom SWR.
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Alt 08.07.08, 22:41   #99
dj tinitus
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die beiden projekte sind bezüglich der verkehrsführung nicht vergleichbar.
entlang des rheins gibt es bereits uferstrassen und -befestigungen, die tunnelrampen würden auch direkt und parallel zum fluss gebaut - quasi ein tunnel in u-form. in dresden gibt es hingegen breite elbwiesen beiderseits des flussses. tunnelrampen wie bei st. goar sind damit nicht vereinbar.
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Alt 08.07.08, 23:04   #100
heiji
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Zitat:
Zitat von micro Beitrag anzeigen
Vorhin in ZDF-"heute" ein Bericht über eine geplante Rheinquerung im Unesco-Welterbegebiet nahe der Loreley zwischen St. Goar und Goarshausen. Es wurde ausdrücklich auf die Analogie zur Waldschlösschenbrücke hingewiesen.

Anders als an der Elbe will man sich am Rhein auf jeden Fall mit der UNESCO abstimmen und eine "weltkulturerbeverträgliche" Lösung suchen. Geld spielt eine untergeordnete Rolle, auch eine Tunnellösung kommt in Betracht. Wirtschaft und Anwohner sind pragmatischerweise eher für eine feste Verbindung der beiden Städte, ein Fährunternehmer hat im ZDF das Argument ins Feld geführt, dass Fähren auch ein fester Teil der dortigen schützenswerten Kulturlandschaft seien.

War nicht einfach, im WWW eine Quelle zu finden, die das back-upt. Hier ein Bericht vom SWR.
Ehrlich, diese Visualisierung dort ist ja noch viel schlimmer als die Waldschlösschen...

Dass Geld weniger eine Rolle spielt, ist in der Rhein-Main-Region ja eh klar... Der Vorteil dieser Planer ist ja, dass man ganz gewaltig von der Dresdener Situation gelernt hat. Naja...
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Alt 09.07.08, 00:03   #101
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Der größte Unterschied zwischen den beiden Projekten dürfte der sein, dass man an der Loreley die zeitnahe Wortmeldung der Unesco berücksichtigen kann - und nach den Erfahrungen mit Dresden auch berücksichtigen muss! Bei den Elbwiesen begann die Intervention der Unesco erst, als von der Sache her schon alles in trockenen Tüchern war. 1996 konnte in Sachsen noch keiner ahnen, dass er vielleicht mal in 2008 das x-fache Budget für einen Tunnel benötigen würde. Man konnte ja noch nicht einmal die drohende Aberkennung des Weltkulturerbe-Status fürchten. Den hatte das Gebiet noch längst nicht inne. Aber ich wiederhole mich ...

Was an der Visualisierung so schlimm sein soll, weiß ich allerdings nicht. So kommt das eh nicht, jede Wette. Eine derart extravagante Konstruktion dürfte schon ziemlich nah an den Kosten eines Tunnels liegen (vielleicht hat das ja strategischen Charakter).
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Alt 09.07.08, 00:17   #102
dj tinitus
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na ja, brücke bleibt brücke. im hinblick auf den erhalt des landschaftsbildes ist ein tunnel sicher vorteilhafter. gerade, dass es dort auf 60 km keine gibt, macht doch viel vom romantischen reiz der landschaft aus. und wenn sich dort verkehrstechnisch ein tunnel einfacher realisieren lässt als beispielsweise in dresden, spricht dann alles dafür, das er auch gebaut wird.
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Alt 09.07.08, 00:44   #103
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Das meine ich ja mit "strategisch". Gerade gegenüber der gezeigten Brücke wäre der Tunnel nämlich eh nicht so viel teurer.
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Alt 09.07.08, 00:56   #104
micro
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entlang des rheins gibt es bereits uferstrassen und -befestigungen, die tunnelrampen würden auch direkt und parallel zum fluss gebaut - quasi ein tunnel in u-form.
Gut kombiniert -- oder auch ZDF gesehen... Es wurde in der Tat eine Grafik eines U-förmigen Tunnels gezeigt, der inklusive Rampen fast dreimal so lang wäre wie eine gerade Brückenverbindung.
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Alt 10.07.08, 00:25   #105
Torsten
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Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, so wird doch der Weltkulturerbestatus auf Antrag verliehen. Die UNESCO kommt also nicht so einfach daher und verleiht mal schnell den Weltkulturerbetitel, um vielleicht nach langer Beobachtung der lokalen Entwicklung diese in eine ihr genehme Richtung zu lenken. Der UNESCO Unredlichkeit oder Berechnung bei der Vergabe des Titels zu unterstellen halte ich für schäbig.
Wieso ist denn nicht mehr die Rede davon, daß im Antrag zwar die Brückenbaupläne erwähnt waren, die Baustelle aber einige Kilometer flußabwärts zur heutigen Baustelle eingezeichnet war und damit aus dem Fokus der UNESCO? Ich kann mich noch lebhaft an die öffentliche Diskussion erinnern, wer denn nun der Schuldige für diesen Fehler im Antrag gewesen sei.

Hier geht es außerdem nicht um einfach nur eine weitere Brücke, wo denn doch schon so viele da stehen. Es ist der erste Brückenneubau im Weltkulturerbegebiet. Wenn jetzt hier argumentiert wird, daß diese ja wohl gut zu den anderen Brücken passen würde, dann wird übersehen, daß eine der Einzigartigkeiten dieser städtischen Flußlandschaft darin besteht, daß diese eben nur an einer Stelle durch einen Verkehrszug in Form einer historisch bedeutenden Brücke (sogenanntes "Blaues Wunder") gekreuzt wird.
Außerdem kann der Titel immer nur nach Prüfung des zum Vergabezeitpunkt herrschenden Status quo vergeben werden. Logischerweise muß die Berechtigung für diesen Titel bei einer Änderung des Status neu geprüft werden. Und wenn nun diese Landschaft an ihrer breitesten Stelle durch einen vierspurigen Verkehrszug mit allen seinen Auswirkungen (optisch, akustisch, Emissionen) durchschnitten werden soll, dann ist diese Landschaft eben nicht mehr einmalig. Innerstädtische Flußauen von vierspurigen Brücken gekreuzt gibt es unzählige weltweit.

Wenn es nicht so absurd klingen würde, dann kann ja Dresden nach dem Entzug des Titels diesen erneut beantragen mit der Begründung, daß es weltweit einmalig ist, daß durch eine Landschaft mit UNESCO Welterbetitel eine vierspurige Brücke gebaut wurde. Dann müßte die UNESCO mit Entzug des Titels drohen, wenn die Brücke abgerissen würde

Für mich stellt sich dieses ganze An- und Aberkennungsprozedere als Routinevorgang dar und daß es nun durch entsprechende Stellen so aufgewertet wird, zeigt für mich sogar noch wie sich die Brückenbefürworterschaft als Opfer der UNESCO fühlt. Schlimm ist nur, daß genau diese Emotionen durch interessierte parteipolitische Kreise für deren Machterhalt genutzt werden. Die Opferschaft sammelt sich geeint hinter der Partei.

Eine weitere Posse ist, daß der größte Brückenverfechter, das Regierungspräsidium, über die Rechtmäßigkeit eines möglichen Tunnelbegehrens zu befinden hatte. Ergebnis war vorhersehbar.

Unabhängig von diesem "unsäglichen, erpresserischen Ultimatum" (Warum dramatisierst Du eigentlich den an sich schon eindeutigen Begriff "Ultimatum" AeG?) der UNESCO droht ja auch noch eine Verschlechterung der Umweltbedingungen für Anwohner. Ich hatte es schon mal in einem meiner früheren Beiträge erwähnt, es soll noch Stadtplaner geben, die eine Stadt nicht nur als Ansammlung von Touristenattraktionen betrachten, sondern auch als Lebensmittelpunkt ihrer Einwohner. Dabei denke ich vor allem an die unmittelbaren Anwohner.
Mir ist durchaus klar, daß es ein Prohliser klasse findet in Zukunft mit viel weniger Ampeln und mit kürzerer Strecke in den Norden der Stadt zu gelangen. Wenn er dann auch noch Pillnitz und Großzschachwitz naheliegenderweise als sein Naherholungsgebiet betrachtet, warum sollte er bei einem Bürgerentscheid, welcher nach einer Brücke an ganz anderer Stelle fragt und nur nach einer Brücke (wahlweise keine) mit "nein" stimmen?

Wenn der Klüngel aus überregionaler Politik, Institutionen und Bauindustrie auch Beziehungen zu Tunnelbauunternehmen hätte, dann müßte diese Brücke auch nicht unbedingt durchgeboxt werden und man hätte eine bequeme Alternative um der öffentlichen Diskussion aus dem Weg zu gehen und trotzdem abzusahnen. Aber so muß es dann wohl die Brücke sein.
Tschuldigung für die Polemik zum Schluß. Den konnte ich mir nicht verkneifen.
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